Good to know

Hier werden allgemeine Informationen und Begriffserklärungen angeführt. Viele dieser Punkte finden sich immer wieder auch in den Beschreibungen zu den einzelnen Routen. Was genau gemeint ist kann hier gegebenenfalls nachgeschlagen werden, um Missverständnisse zu vermeiden. Die dazugehörigen Quellenangaben sollen darauf hinweisen, worauf sich diese Angaben stützen und woher die Informationen kommen.

Französische Standplätze

Die Besonderheit der so genannten „Französischen Standplätze“ ist die, dass keine Seilschlaufen oder Bandschlingen verwendet werden müssen, um eine Redundanz zwischen den Bohrhaken beim Abseilen herzustellen. Das bedeutet auch, dass sich weniger Plastik in den Wänden befindet und auch im Sinne der Nachhaltigkeit Gutes getan wird. Da an beiden Fixpunkten Ringe sind und keine Karabiner, erfolgt die Abnutzung des Materials auf gleichmäßige Art und Weise. Beim Vorstieg wird – um eine Redundanz herzustellen – einfach die mitgebrachte Standplatzschlinge verwendet und beim Weiterklettern wieder mitgenommen.

Quelle: Pietra di Luna (Maurizio Oviglia, 4. Auflage, 2002, Seite 14)

Technisches Klettern

A0 – Ein Sicherungspunkt wird zur Fortbewegung (als Tritt oder Griff) verwendet.
A1 – Eine Trittschlinge wird eingehängt und verwendet
A2 – Zwei Trittschlingen oder Trittleitern werden zur Fortbewegung verwendet.
A3 – Zwei Trittleitern – die Haken sind aber von schlechter Qualität.
A4 – Wie A3 unter schwierigeren Bedingungen (Sicherungspunkte sind schlecht anzubringen) und die Überwindung der Kletterpassage verlangt Kraft und Ausdauer.
A5 – Die Fortbewegung erfolgt ausschließlich oder fast ausschließlich an künstlichen Haltepunkten, deren Qualität überdies meist so schlecht ist, dass ein Sturz erst von der Standplatzsicherung gehalten wird.

Quelle: Red Rocks – Mehrseillängen Klettern im Südtiroler Porphyr (Luca de Giorgi et al, 2021)

Bewertung des Risikos und der Absicherbarkeit

Die Bewertung des Risikos, der Absicherbarkeit und des Abstandes zwischen den Sicherungen wird in den beiden folgenden Skalen ausgedrückt, wobei „R“ (Risk) für traditionelle und „S“ (Spit) für mit bohrhakengesicherte Wege steht. Dies sind Bewertungsvorschläge in einer Skala, die von Maurizio Oviglia, Erik Svab und Nicola Tondin erarbeitet wurden.

Quelle: Pietra di Luna (Maurizio Oviglia, 4. Auflage, 2002)

Traditionelle Routen

R1 – Leicht abzusichern, mit guten und zahlreichen Zwischensicherungen! Sehr wenige zwingende Kletterpassagen. Potentielle Sturzlänge beträgt wenige Meter und Sturz ist ohne Folgen.
R2 – Mittelmäßig abzusichern, mit guten, aber weniger Zwischensicherungen! Zwingende Kletterpassagen zwischen den Sicherungspunkten. Potentielle Sturzlänge beträgt höchstens ein paar Meter und Sturz ist ohne Folgen!
R3 – Schwer abzusichern, mit nicht immer guten und weit entfernten Zwischensicherungen! Lange zwingende Kletterpassagen. Potentielle Sturzlänge beträgt maximal 7-8 Meter und Sturz kann Verletzungen zur Folge haben!
R4 – Schwer abzusichern, mit schlechten oder unzuverlässigen und weit entfernten Zwischensicherungen, die nur einen kurzen Sturz halten würden! Lange zwingende Kletterpassagen. Potentielle Sturzlänge beträgt bis zu 15 Meter mit der Möglichkeit, dass Zwischensicherungen herausbrechen und Sturz hat wahrscheinlich Verletzungen zur Folge!
R5 – Schwer abzusichern, mit schlechten und unzuverlässigen und weit entfernten Zwischensicherungen, die nur einen kurzen Sturz halten würden! Lange zwingende Kletterpassagen. Lange Stürze sind wahrscheinlich und dass Zwischensicherungen herausbrechen. Sturz hat sicher Verletzungen zur Folge!
R6 – Unmöglich abzusichern, außer für kurze Stellen und weit ab von den Schlüsselstellen. Ein Sturz kann tödlich sein!

Textquelle: Hohe Wände bei Arco – Klassische und moderne Routen im Sarcatal – VOL. 2 (Diego Filippi, 4. Ausgabe, 2021, Seite 19)

Sportkletterrouten

S1 – Absicherung mit Bohrhaken wie im Klettergarten. Der Abstand ist nie größer als 3-4 Meter zwischen den Haken. Potentielle Sturzlänge beträgt höchstens ein paar Meter und Sturz ist ohne Folgen!
S2 – Größerer Hakenabstand mit zwingenden Kletterpassagen. Potentielle Sturzlänge beträgt höchstens 10 Meter und Sturz hat keine Verletzungen zur Folge!
S3 – Großer Hakenabstand mit meist zwingenden Kletterpassagen. Der Abstand kann auch größer als 5 Meter sein, daher lange Stürze aber ohne schwere Folgen!
S4 – Sehr großer Hakenabstand über 7 Meter mit zwingenden Kletterpassagen. Sturz kann Verletzungen zur Folge haben!
S5 – Sehr großer Hakenabstand über 10 Meter mit zwingenden Kletterpassagen. Sturz auf Terrassen, Bändern oder Boden hat sicherlich Verletzungen zur Folge!
S6 – Nur teilweise mit Bohrhaken abgesichert, weit ab von den Schlüsselstellen mit Abständen bis zu 20 Meter. Ein Sturz kann tödlich sein!

Textquelle: Hohe Wände bei Arco – Klassische und moderne Routen im Sarcatal – VOL. 2 (Diego Filippi, 4. Ausgabe, 2021, Seite 19)

Alpine Sportkletterrouten

Da die Übergänge fließend sind zwischen den Kategorien kann es auch sinnvoll sein, Mischbezeichnungen zu verwenden, also beispielsweise SR2 oder RS2, wobei der erste Buchstabe die Hauptkategorie benennt und der Folgebuchstabe die nachgereihte Zusatzinformation. So hat eine SR2 eher die Eigenschaften einer Sportkletterroute und eine RS2 eher die Eigenschaften einer traditionellen, alpinen Kletterei mit mobilen Sicherungsmitteln. Gerade alpine Sportkletterrouten, in denen häufig auch noch Normalhaken, Sanduhren usw. verwendet werden, fallen oftmals in diese Mischkategorie. Auch aufgrund von leichteren Zustiegs- oder Ausstiegsseillängen, die kaum mehr abgesichert sind im Vergleich zu den Hauptschwierigkeiten kann eine Mischbezeichnung sinnvoll sein.

Genereller Anspruch

Hinsichtlich der Bewertung des generellen Anspruchs, der Umgebung, der Schwierigkeiten eines Rückzugs und der Entfernung vom Tal einer Route, ersetzten wir die klassische französische Skala mit dem amerikanischen Bewertungssystem der Big Walls, das mit römischen Ziffern von I bis VII (nach oben offen) ausgedrückt wird und das sich u. a. auch an der technischen Schwierigkeit orientiert.

I – Kurze Route in der Nähe der Straße mit bequemen Zustieg. Sonnige Lage, kurze Kletterzeit und einfacher Rückzug möglich. Wandhöhe maximal 100m.
II – Mehrseillängenroute an einer über 200m hohen Wand. Leichter Zustieg, und einfacher Rückzug möglich.
III – Mehrseillängenroute an einer über 300m hohen Wand in alpinem Gelände. Lange Kletterei mit anstrengendem Zustieg und komplizierter Rückzug.
IV – Sehr lange Route an einer über 500m langen Wand in strengem alpinen Gelände weit ab vom Talgrund. Kletterzeit beträgt einen ganzen Tag, komplizierter Rückzug, nicht immer entlang der Aufstiegsroute.
V – Sehr lange Route im „Big-Wall“ Stil, der normalerweise ein Biwak in der Wand erfordert. Der Rückzug in alpinem Gelände kann äußerst schwierig sein.
VI – Eine „Big-Wall“ Route, die einige Tage in der Wand erfordert, in hochalpinem Gelände; der Rückzug ist äußerst schwierig.
VII – Route kann mit einer „Big Wall“ aus dem Himalaja verglichen werden; große alpinistische Schwierigkeiten werden mit Hilfe einer Expedition bewältigt.

Textquelle: Hohe Wände bei Arco – Klassische und moderne Routen im Sarcatal – VOL. 2 (Diego Filippi, 4. Ausgabe, 2021, Seite 19)

Wann wird welche Schwierigkeitsskala verwendet

Die Angaben von Schwierigkeitsgraden unterliegt selbstverständlich den ortsüblichen Gepflogenheiten. Im Laufe der Zeit wurden diese aber erweitert und die üblicherweise verwendete Skala wurde adaptiert, ergänzt oder sogar verworfen. Im Gosaukamm wird hauptsächlich die UIAA-Skala mit der Angabe der Schwierigkeitsgrade in römischen Ziffern angewendet. Im Klettergarten rund um die Hofpürglhütte wird ergänzend auch oft die Schwierigkeit entsprechend der französischen Skala (Kombination aus Zahl und Buchstabe) mitverwendet.

Schwierigkeitsskalen im Vergleich